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Ratgeber

Das Arbeitszeugnis lesen und einordnen

Arbeitszeugnisse folgen einer eigenen Sprache, in der „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ die Bestnote ist. Wie die Abstufungen funktionieren.

Aktualisiert 24. August 20266 Min. Lesezeit

Wer in Deutschland ein Arbeitsverhältnis beendet, erhält ein Arbeitszeugnis: eine schriftliche Beurteilung der Tätigkeit und der Leistung. Es geht in jede weitere Bewerbung ein, wird also vom nächsten Arbeitgeber gelesen — und zwar routiniert, denn die Formulierungen haben sich zu etwas verfestigt, das einer Notenskala nahekommt. Wer neu in diesem Markt ist, tut sich mit diesem Dokument am schwersten und gewinnt am meisten, wenn er es versteht.

Die Leistungsskala

Der entscheidende Satz ist der über die Zufriedenheit. Zwei Wörter bilden die Note: ob die Zufriedenheit gesteigert ist (voll, vollste) und ob sie durchgängig war (stets, jederzeit) oder nur allgemein.

  1. „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ — sehr gut.
  2. „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ — gut.
  3. „zu unserer vollen Zufriedenheit“ — befriedigend.
  4. „zu unserer Zufriedenheit“ — ausreichend, und als Warnsignal gelesen.
  5. „insgesamt zu unserer Zufriedenheit“ — mangelhaft.
  6. „bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“ — die Mühe wurde bemerkt, das Ergebnis nicht. Die bekannteste Formel.

Die Schlussformel

Ein vollständiges Zeugnis endet mit Dank für die Arbeit, dem Bedauern über das Ausscheiden und guten Wünschen für die Zukunft. Diese drei Bestandteile sind Konvention, und ihr Fehlen ist das Lauteste im ganzen Dokument. Ein Zeugnis, das nach dem Leistungsabsatz aufhört oder dankt, ohne zu bedauern, wird als Signal gelesen — genau deshalb lohnt der Blick ins eigene, bevor es in eine Bewerbung geht.

Verhalten — und die Reihenfolge

Meist folgt ein Satz zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie, wo einschlägig, Kundinnen und Kunden. Die Reihenfolge wird mitgelesen: Vorgesetzte vor Kollegschaft ist der Standard; steht die Kollegschaft zuerst, wird das mitunter als schwieriges Verhältnis zur Führung verstanden. Nennt der Satz nur die Kollegschaft und lässt Vorgesetzte ganz aus, ist es dasselbe Signal, nur deutlicher.

Das eigene Zeugnis

  • Lesen Sie es an der obigen Skala, bevor Sie es irgendwo anhängen. Die meisten tun das nie und wundern sich später über ausbleibende Rückmeldungen.
  • Prüfen Sie auch die Fakten: Daten, Positionsbezeichnung und ob die aufgeführten Aufgaben Ihre Tätigkeit wirklich abdecken.
  • Ein qualifiziertes Zeugnis beurteilt Leistung und Verhalten; ein einfaches Zeugnis bestätigt nur Position und Zeitraum. Bewerbungen setzen das qualifizierte voraus.
  • Wenn Sie die Formulierung beunruhigt, ist das ein Gespräch mit dem ausstellenden Arbeitgeber — und, falls es weiter geht, mit einer fachkundig beratenden Person. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.